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Stricken, Mini …und noch mehr

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Männer oder auch, immer wieder mal im Laden

September 15th, 2005 · No Comments · Mini, Stricken

Neulich und immer wieder im Laden:

Kunden sind ja eher seeeehr dünn gesäht und wenn sich mal einer in meinen Laden verirrt, dann läuft das meistens so:

Mann kommt eher zögerlich in den Laden, schaut sich hilfesuchend um, kommt auf mich zu: “Meine Frau schickt mich. Ich brauche”…

  1. Im besten Fall:
    kramkramkramtindenhosentaschen, holt Banderole (um die evtl. sogar noch liebevoll ein Faden der entsprechenden Wolle gewickelt ist) raus, liest entweder langsam und sehr akzentuiert vor, was draufsteht, oder streckt sie mir am ausgestreckten Arm hin: “x mal die Wolle”, hilfloser Blick und Grinsen, Schulterzucken. 
  2. Im zweitbesten Fall:
    kramkramkramtindenhosentaschen, holt handgeschriebenen Zettel raus ” x mal … (Name einer Wolle)” hilfloser Blick und Grinsen, Schulterzucken.
  3. Im schlechtesten Fall:
    kramkramkramtindenhosentaschen, holt… eine ca. 5 cm langen Faden raus, streckt mir den am ausgestreckten Arm hin (liebe Männer, Wolle ist nicht eklig, sie beisst nicht und kratzen tut sie auch nicht *g), “x mal diese Wolle” (liebe Frauen, was denkt ihr euch eigentlich dabei, Männer mit einem mikroskopisch kurzen Faden zu mir zu schicken? Sie überhaupt mit einem Faden zu mir zu schicken? Womöglich noch von einer uni Wolle…), hilfloser Blick und Grinsen, Schulterzucken.
  4. Im allerschlechtesten Fall:
    kramkramkramtindenhosentaschen, holt einen handgeschriebenen Zettel raus: “x mal Online (wahlweise Schachenmayr)”, hilfloser Blick und Grinsen, Schulterzucken.

Prima. In) Fall 1 gar kein Problem, Fall 2) schon ein bisschen schwieriger, weil meistens die Partienummer nicht mit aufgeschrieben ist, manchmal auch die Farbe nicht, Fall 3)… in ca. 80 % der Fälle komme ich dann doch irgendwie drauf, welche Wolle das sein könnte, weil ich meine Wolle ganz gut kenne und im Falle eines Standardgarns dann noch eine Brennprobe mache, um rauszufinden, obs 100% Wolle ist oder mit Poly, in Fall 4) muss der arme Mann dann leider seine Frau anrufen, mir geben und ich versuche aus ihr herauszulocken, was sie mir denn noch so über ihre Wolle sagen kann, ausser der Herstellerfirma *g

Und jedes Mal bin ich versucht, das gleiche mit ihm zu machen, wie man(n) mit mir immer in “Männergeschäften” macht. Georg hat mich letztens zu Hauser geschickt. Hauser hat Sicherheitsbekleidung und alles mögliche Zeug wie: säurefeste Handschuhe, Graffitireiniger, Pasten etc.

Mein Auftrag lautete: Kupferpaste kaufen. (Für alle, die nicht wissen was das ist und es wissen wollen: Das Zeug verhindert, dass ein Metallteil am anderen festrostet, ist hübsch dunkelkupferfarben und garantiert kochfest auf Jeans)

Ich komm rein, der Typ um die 50 hinter der Theke beäugt mich sehr mistrauisch. Ich geh lächelnd auf ihn zu: “Guten Tag, ich möchte Kupferpaste kaufen.” Er:”Wozu brauchen Sie die denn?” Ich verdrehe innerlich die Augen “Am Mini gibt es eine Verbindung zwischen Kühler und Zylinderkopf, die mit Schrauben befestigt wird. Damit die Schrauben nicht festrosten, brauche ich Kupferpaste.” Er:” Muss die hitzebeständig sein?” Ok, die Frage ist dämlich. Zum einen gibts meines Wissens keine Kupferpaste, die nicht hitzebeständig ist, zum anderen muss sie das natürlich sein, wir reden hier vom Zylinderkopf, einem Teil des Motors. Ich:” Natrürlich!” Er guckt extrem unsicher und fragend, ob er mir dummem Blondchen mit zwei Brüsten-sprich Frau- wohl so ein teures Mittelchen mit gutem Gewissen verkaufen kann. Ich greife resignierend zum Handy, rufe Georg an, bitte ihn zu bestätigen, dass ich wirklich Kupferpaste brauche und auch dazu ermächtigt bin, dieses Luxuszeug von meinem Geld zu kaufen. Folgender Monolog auf meiner Seite hörbar:” Ja, guten Tag Herr Marszalek. Kupferpaste? Kein Problem. Schönes Wochenende noch.”

Und dieses extrem sensitive Zeug hat dann ganze 8,x€ plus Telefonkosten gekostet. Und ich hab geflucht wie ein Droschkenkutscher und Georg angedroht, dass er demnächst selbst in “Männergeschäfte” fahren muss.

Aber ich bin ja lieb und mache das mit den armen Männern bei mir nicht. Der Vollständigkeit halber:

Ich habe auch einen Kunden um die 45, der ein absolut versierter Stricker ist (nein, er ist heterosexuell), dem das natürlich nicht passiert. Dieser Mann gerät auch regelmäßig ob der neuesten Strickzeitschriften in Verzückung. Übrigens hat er sich das Stricken vor 15 Jahren beigebracht, als seine Frau einen Unfall hatte und seitdem nicht mehr stricken kann. Ist das kein Liebesbeweis? Ich war wirklich gerührt, als er mir das erzählt hat.

Und dann hab ich noch einen Kunden, der immer von seiner Frau geschickt wird und der sich inzwischen in meinem Laden so pudelwohl fühlt, dass er nur noch reinkommt, grinst (der Mann ist übrigens so Anfang/Mitte 70), sagt: “Meine Frau braucht mal wieder Wolle” (sie strickt immer Schals aus Brazz/Smash), wahlweise “gestreifte Wolle”, wir suchen gemeinsam die Farbe(n) aus, und dann bleibt er noch ne Weile und erzählt mir erst mal die neuesten (dreckigen) Witze.

An dieser Stelle einen ganz lieben Gruß an ihn, denn er liegt noch bis morgen im Krankenhaus, und Gute Besserung.

Ach ja, und einen häkelnden Kunden habe ich seit neuestem auch noch (der so um die 75 ist), der für seine Frau aus Baumwolle Westen häkelt.

Beim Thema Männer fällt mir noch eins ein: Da war letztens diese Kundin bei mir im Laden, die für ihren achtjährigen Sohn ein Freundschaftbändchen knüpfen wollte und dafür den Sticktwist brauchte. Sie hat über den 5 Farben sehr lange nachgegrübelt und wollte ernsthaft u.a. lachsfarbenen kaufen. Ich habe verzweifelt versucht, sie davon zu überzeugen, dass kein 8jähriger tot überm Zaun mit rosa im Bändchen hängen wollen würde. Sie hat argumentiert, dass das kein Rosa, sondern ein Lachs wäre. Ich wiederrum habe ihr versucht klar zu machen, dass die meisten Männer (auch die kleinen), vielleicht 11 Farben kennen (schwarz, weiss, blau, rot, grün, gelb, braun, grau, orange, rosa, lila, mit viel Glück auch noch pink), dass sie nicht in der Lage sind, so feine Nuancen wie lachs und rosé auseinander zu halten, dass ich gerne bereit wäre, den Beweis dazu anzutreten, indem ich Patrizio (meinen Hausnachbarn) reinriefe, der gerade vor dem Laden stand. Aber nein, sie war nicht zu überzeugen und hat ihr lachs mitgenommen. Ich habe Patrizio dann zu mir gerufen und ihn gebeten, mir zu sagen, welche Farbe ich in der Hand hielte (es war das lachsfarbene Döckchen) und er antwortete: “zartlschwuchtelrosa”. Übrigens waren alle Töne rundherum auch rosa *g Irgenwann war dann einer mal “pink” und ich positiv überrascht. Nein, liebe Männer, ich mache mich nicht über euch lustig. Wir Frauen können Farben und ihr könnt: 100e Alufelgenbezeichnungen, Fußballergebnisse der letzten 50 Jahre, Formel1 Rundenzeiten… So kann jeder etwas anderes. Übrigens bestätigte Patrizio mir noch, dass er weder jetzt noch zu irgendeiner Zeit vorher tot überm Zaun hängend mit einer dieser rosa Farben an seinem Körper sich hätte erwischen lassen. Aber es gibt durchaus Männer (Patrizio nicht), denen sowohl puderrosa als auch flieder ausgezeichnet stehen (nicht wahr, Freddi *g)

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